Meinungsblog Rosenstein

Das neue Rosensteinquartier soll auf der bisherigen Gleiswüste – direkt hinter dem Hauptbahnhof und eingebettet zwischen Nordbahnhofviertel, Rosensteinpark und dem Unteren Schlossgarten – entstehen. Die Flächen werden nach der Fertigstellung des Bahnprojektes Stuttgart 21 und der anschließenden Räumung der Gleisanlagen ab 2022/23 frei. Für die Stadt Stuttgart, welche das Gelände mit Ausnahme der Fläche der Deutschen Post AG erworben hat, bietet sich hierbei die einmalige Chance rund 85 Hektar Land in zentraler Lage unter urbanen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten zu entwickeln und zu nutzen. Eine Jahrhundertchance – möglich durch das Projekt Stuttgart 21. Leben, Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit sowie Erholung in gut durchdachter und zukunftsgerichteter Weise als städtebauliche Attraktion, 100 Jahre später wie die musterhafte und gelungene Weißenhofsiedlung in unmittelbarer Nähe.

Wenn man Bürgerbeteiligung erst nimmt, muss mehr geschehen, als die Landeshauptstadt Stuttgart bisher öffentlich diskutiert hat. Die Zeit läuft. Die Planung eines ganzen neuen Stadtviertels dauert Zeit, gerade weil auch die Bevölkerung permanent eingebunden werden muss. Bereits unter den bisherigen Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel und Wolfgang Schuster gab es wertvolle Erkenntnisse aus den früheren Bürgerbeteiligungen der 1990er und 2000er Jahre und aus den bisherigen städtebaulichen Wettbewerben. Es handelt sich beispielsweise um Erkenntnisse aus der topographische Lage und der Sichtbeziehungen, welche dauerhaft Gültigkeit haben. Diese gilt es aufzugreifen.

Die IG Bürger für Baden-Württemberg e.V. haben sich in zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen im Max-Bense-Forum der zentralen Stadtbibliothek damit auseinandergesetzt und diese Veranstaltungsserie auf YouTube dokumentiert. http://www.youtube.com/playlist?list=PLUdeM_tuWjAp3iMFjBWUC-p_JWnLBxz-P                  In die Bürgerbeteiligung hat sich die IG durch ihren Vertreter im Bürgerbeteiligungsgremium, dem 1.Vorsitzenden und Architekten Dipl. Ing. (FH) Jochen Hammer intensiv eingebracht. Unser Arbeitskreis Rosenstein hat sehr viel Zeit dafür investiert, Fachleute angehört und zahlreiche Ideen entwickelt.

Die Rathausführung unter OB Fritz Kuhn hat folgende Ergebnisse der Bürgerbeteiligung 2016/2017 in einem Memorandum wie folgt zusammengefasst:

Von besonderer Relevanz wird die Ermöglichung von Begegnungsorten für ein soziales Miteinander in überschaubaren Nachbarschaften sein. Ein wesentliches Augenmerk wird auf der Schaffung von bezahlbarem und qualitativ hochwertigem Wohnungsbau liegen, unterstützt durch eine ausgewogene Boden- und Programmpolitik.Auch der Erhalt von inspirierenden und identitätsstiftenden Bauten und Orten, unter Beachtung der Rentabilität, wird eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der ehemaligen Gleisflächen spielen. Weitere identifizierte Handlungsfelder sind die Bereitstellung eines vielfältigen Kulturangebotes, eingebettet in einen abwechslungsreichen und kleinteiligen Städtebau. Dieser soll durch eine differenzierte Qualitätssicherung (Wettbewerbe, Baugruppen, Belebung der Erdgeschosszonen, Bauen auf der Parzelle, Nutzungsmischung) gewährleistet werden. Die Gestaltung der Erholungsräume wird besondere Beachtung finden. So wurden von Seiten der Bürger/innen vielfach natürliche und naturnahe Wassererlebnisse, attraktive Rad- und Fußwegeverbindungen sowie eine Erlebbarkeit von Grünzonen gewünscht.

Es wird auch darum gehen Programme und Verfahren zu entwickeln, die es ermöglichen, die Planung offen zu gestalten, d.h. Lerneffekte zu berücksichtigen, eine abschnittsweise Bebauung zu ermöglichen mit Erhalt von temporär oder dauerhaft nutzungsoffenen Flächen und einer Flexibilität gegenüber sich verändernden Bedürfnissen (generationenübergreifende Planung). Prozesse müssen neu gedacht werden auch im Hinblick auf eine enge Verzahnung von Planung und Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Nicht zuletzt wird man sich damit beschäftigen, wie es gelingt, ein modellhaftes Quartier zu bauen, dass nicht als Verfügungsfläche für Fehlendes in Stuttgart fungiert, sondern einen vorbildlichen Baustein im Kontext der Gesamtstadt bildet.

Nachfolgend zentrale Botschaften aus den Leitplanken im Entwurf für das Memorandum:

Soziales Miteinander Das zentrale Ergebnis der Bürgerbeteiligung ist der Wunsch nach einem sozialen Miteinander im neuen Quartier. Die Verbundenheit der Bewohner untereinander soll das Leben im Rosenstein-Viertel prägen. Als außerordentlich wichtig wird die Schaffung von Wohnraum erachtet. Darüber hinaus soll es allen sozialen Schichten möglich sein, dort zu leben.

Vielfalt und Lebendigkeit Das neue Quartier soll abwechslungsreich und lebendig gestaltet sein, mit einem breiten Kulturangebot und Raum für Kreativität sowie unterschiedlichen Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten. Gewünscht werden ferner natürliche oder naturnahe Wasserflächen.

Kleinteiligkeit und Überschaubarkeit. Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich ein kleinteilig gestaltetes grünes Viertel, das ein intensives Miteinander ermöglicht und gleichzeitig Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten bietet. Zudem soll ein harmonisches Nebeneinander aus Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung möglich sein. Großen Wert legen die Stuttgarter und Stuttgarter auf eine gute Verkehrsanbindung.

Flexibilität. Die Bürger wünschen sich Begegnungsräume, auf denen völlig unterschiedliche Aktivitäten und Veranstaltungen möglich sind. Das neue Quartier soll sich außerdem flexibel an verändernde Wohn- und Lebensformen anpassen können.

Eigene Gestaltungsformen: Den Bürgerinnen und Bürgern ist es wichtig, in die weiteren Gestaltungs- und Planungsprozesse eingebunden zu werden. Die Bewohner des neuen Quartiers sollen auch in Zukunft die Möglichkeit haben, ihr Wohnumfeld nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Modellhaftes. In der Gestaltung der Entwicklungsfläche Rosenstein sehen viele Bürger die Chance, ein Viertel so zu gestalten, wie sie in naher Zukunft leben möchten. Mit einer dauerhaft hohen Luftqualität, einer abwechslungsreichen Architektur und zukunftsweisenden Verkehrskonzepten kann das neue Quartier Vorbildcharakter für städtebauliches Handeln haben.
 Die Perspektive der Kinder Auch den Kindern ist ein soziales Miteinander wichtig. Außerdem wünschen sie sich abwechslungsreich gestaltete Spielanlagen, an denen sie ungestört spielen und laut sein können. Wichtig sind ihnen darüber hinaus Schwimmmöglichkeiten, die sie zu jeder Jahreszeit nutzen können. (Quellennachweis: https://www.stuttgart-meine-stadt.de/rosenstein )
Fazit aus IG Sicht: Die Bürgerbeteilung hat in den Jahren 2016/2017 durchaus positive Ergebnisse erbracht. Die IG Bürger konnten sich- durch zahlreiche Veranstaltungen gut vorbereitet- intensiv in die Bürgerbeteiligung einbringen. Bereits unter den früheren Oberbürgermeistern Manfred Rommel und OB Wolfgang Schuster gab es Bürgerbeteiligungen, welche wichtige Erkenntnisse lieferten, zum Beispiel wie die topographische Lage städtebaulich zu meistern ist und wie die Kante vom Rosensteinquartier zum Parkgelände Unterer Schloßgarten aussehen könnte.

Ein wesentliches Problem stellt in Stuttgart die Wohnungsnot dar. Nicht nur für Wenigverdiener, auch für Normalverdiener fehlen in Stuttgart über 20.000 bezahlbare Wohnungen. Wenn das Gelände des künftigen Rosensteinquartiers von der Deutschen Bahn freigeräumt wird, sollte wenigstens an einigen Stellen zügig mit dem Wohnungsbau begonnen werden. Die Zeit drängt. Als Folge der Wohnungsnot wird man nicht umhin kommen, dass zumindest in einigen Stellen, auch in die Höhe gebaut wird.

Weiter wird man dafür Sorge tragen müssen, dass hinreichend Stassen da sind und genügend Tiefgaragenplätze. Mit dieser Forderung tun sich die GRÜNEN schwer, aber man sollte vermeiden, dass durch zuwenig Straßen und Tiefparkplätze die Bürger im Stau stehen. Gerade im bereits bebauten Quartier A1 mit dem Einkaufszentrum Milianeo hat man gesehen, dass es an Tiefgaragen mangelt. Folge sind das Parken in angrenzenden Wohngebieten, störender Parksuchverkehr und Staus auf der überlasteten Heilbronner Stasse und der Wolframstrasse.

Eine weiter Aufgabe für die Stadtverwaltung ist, mit der Deutschen Bahn zu verhandeln, wie und in welcher Weise das künftige Rosensteinquartier an die Stadt Suttgart übergeben wird. Hierzu existieren zwar Verträge, da diese aber schon recht alt sind, ist eine Neufassung sinnvoll. Auch Steuergelder können gespart werden, wenn zum Beispiel umweltrechtliche Prüfungen nicht doppelt vom Veräußerer Bahn und dem Erwerber, der Landeshauptstadt Stuttgart gemacht werden.

Eine weitere ausführliche Wertung der bisherigen Bürgerbeteiligung und sonstige Punkte, welche aus Sicht der IG Bürger noch zu erledigen sind, findet Ihr hier: http://igbuerger-rosenstein.de/rosenstein/buergerbeteiligung-rosenstein/

Thomas Eschle, Mai 2017

Ideen zum Rosensteinquartier

 

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