Geschichte der IG Bürger und der Stuttgart 21 Befürworter

Geschichte der IG Bürger und der Stuttgart 21 Befürworter

Das Projekt Stuttgart 21 fiel nicht vom Himmel, sondern was das Ergebniss von vielen Jahrzehnten (!) an Überlegungen, Planungen und Diskussionen. Größere Proteste, oder gar Aufforderungen an die Politik die Realisierung des Projektes nicht weiter voranzutreiben gab es nicht. Doch als im Jahr 2010 die ersten Bauarbeiten starteten, gingen nicht nur zehntausende Menschen auf die Straße, es gab auch massive Behinderungen der Bauarbeiten.

Viel schlimmer war jedoch, dass diese Proteste die Stadt spalteten. Die öffentliche Wahrnehmung rund um Stuttgart 21 war faktisch durch die Projektgegner dominiertet. Und spätestens als erste Umfragen ergaben, dass eine Mehrheit der Bürger in Baden-Württemberg gegen Stuttgart 21 sei, schien bei vielen Gegnern jegliche Hemmung zu fallen. Wer sich im August 2010 für das Projekt und seine Vorteile aussprach wurde schnell Lügner oder gar Betrüger genannt. Plötzlich gehörte man zu den „Bösen“, nur weil man Stuttgart 21 gut fand.

Doch gab es auch immer mehr Bürger, denen diese Spaltung zu weit ging – und viele stellten in ihrem perslnlichen Umfeld fest, dass es bei weitem nicht soviele Gegner gab, wie man anhand der öffentlichen Berichterstattung meinen könnte. Allerdings wollten die meisten Befürworter wegen der aufgeheizten Stimmung, einfach nicht als Befürworter öffentlich in Erscheinung treten.

Der Erste der dies änderte war der Stuttgarter Pfarrer Bräuchle, der erschrocken über das Freund-Feind-Denken, mit Prosit21 die erste öffentliche Gegenbewegung FÜR Stuttgart 21 gründete.

Im aufkommenden Landtagswahlkampf, entdeckte auch die Politik die Protestbewegung: Insbesonder die Parteien „Bündnis 90/Die Grünen“ und die Partei „Die Linke“ schlugen sich auf die Seite der Projektgegner. Mit Stuttgart 21 schien man endlich einmal eine Chance gefunden zu haben, der im Ländle allmächtigen CDU ernsthaft Konkurrenz zu machen. Die Mehrheit der SPD in Baden-Württemberg sowie die CDU und die FDP sprachen sich aber währendessen stets für das Projekt Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm aus.

Im September 2010, bildeten 30 Stuttgarter Bürger die „Interessengemeinschaft (IG) Bürger für Stuttgart 21″. Ziel der IG war es, Befürwortern des Projektes eine Plattform zu bieten und sich für die weitere Realisierung des Projektes Stuttgart 21 stark zu machen. Angesichts der starken politischen Instrumentalisierung des Projektes, wurde die IG Bürger für Stuttgart 21 als überparteiliche und unabhängige Gruppierung gegründet.

Auch in den sozialen Medien organisierte die IG Bürger dann die Projektbefürworter: Sie war Initiator und Betreiber der Facebook-Gruppe „Für Stuttgart 21“, die im Sommer 20111 bereits über 174.000 Fans hatte. Weiter grümdete die IG die Untergruppierungen Juristen für Stuttgart 21, Unternehmer für Stuttgart21, Architekten für Stuttgart 21. Ein weiteres langfristiges Ziel der IG war sich aktiv für die Weiterentwicklung der Stadt Stuttgart, z.B. in der Arbeitsgruppe Rosenstein einzusetzen.

Ebenfall im September 2010 gründeten die Cannstatter Bürger Christian List und Steffen Kauderer einen Lauftreff unter dem Motto „Laufen für Stuttgart 21“  Von September 2010 bis ins Jahr 2011 wurde jede Woche ein „Lauf“ organisiert: Im unteren Schloßgarten trafen sich Donnerstags Jogger(Läufer), sowie Radfahrer am Leuzebrunnen und setzten sich Richtung Staatstheater in Bewegung. Dort  angekommen hielt der Stuttgarter Pfarrer Johannes Bräuchle von „Prosit 21“ eine kurzweilige Kundgebung ab. Verstärkt durch Fußgänger ging die Gruppe dann zum Stuttgarter Marktplatz. Dort fand dann mit bis zu 500o Teilnehmer jeweils die Hauptkundgebungen statt. Diese Kundegebungen wurden auch von der „IG Bürger für Stuttgart 21“ mitorganisiert. Die Tradition des „Laufen für Stuttgart21“ wurde später im Rahmen eines kleineren Lauftreffs fortgesetzt und von der Sportgruppe der „IG Bürger für Baden-Württtemberg e.V.“ betreut.

2011 wurde nach der Landtagswahl eine neue Landesregierung aus der Partei „Bündnis 90/Die GRÜNEN“ und der SPD unter Ministerpräsident Kretschmann gebildet. Die „Grünen“ lehnten Stuttgart 21 ab, die SPD Landtagsfraktion war für Stuttgart 21. Die in der Frage Stuttgart 21 zerstrittene damalige grünrote Landesregierung einigte sich dann zur Konfliktlösung auf eine Volksabstimmung. Die Frage lautete „Soll die Landesregierung aus der Finanzierung von Stuttgart 21 aussteigen?“

Im Wahlkampf um Stuttgart 21 kämpften die IG Bürger an Seite von CDU, SPD, FDP, Freien Wählern und weiteren Initiativen wie „Pro Stuttgart 21“ für Stuttgart 21. Am 27.11.2011 haben dann bei der  Volksabstimmung 58,8 % im ganzen Land für Stuttgart 21 gestimmt und das Kündigungsgesetz der grünroten Landesregierung abgelehnt

Nach der erfolgreichen Volksabstimmung blieben aus der Stuttgart 21-Befürworterbewegung als organisierte Bürgergruppe die „IG Bürger für Baden-Württemberg e.V.“ übrig.
Zunehmend beschäftigten sich die „IG Bürger“ neben der Dokumentation des Baufortschritts von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm durch den Youtubekanal „S21BauTV„, auch mit der konkreten Ausgestaltung der durch Stuttgart 21 frei werdenden Flächen.

Höhepunkt war hierbei das Jarh 2016. Hier waren wir mit einem Sitz bei der informellen Bürgerbeteilligung der Stadt Stuttgat zur Gestaltung des Rosensteinquartiers vertreten. Uns Projektbefürworter war es schon immer wichtig, aktiv bei der Ewicklung des neuen Stadtteils mitzuiwirken. Hierzu haben wir uns, zusammen mit externen Experten, in die Grundlagen des Städtebaus eingearbeitet und uns dann auch , im Gegensatz zu den S21-Gegnern, umfangreich und fachlich fundiert eingebracht.

So veranstalteten wir  Städtebau-Exkursionen ins Französiche Viertel nach Tübingen und in die Bahnstadt nach Heidelberg: Beide Stadteile wurden vor kurzem (im Fall von Heidelberg sogar auf ehemealigen Gleisflächen) erbaut. Vor Ort in Stuttgart haben wir uns auch über den Bestand informiert. Zum Beispiel mit einem Städetbaurundgang im Bereich des künftigen Rosenstein-Areal oder der Besichtigung des Bahnbetriebswerk Rosenstein.

Der Höhehpunkt aber war eine öffentliche Vortragsreihe unter dem Motto „Das kleine 1×1 der Stadtplanung“. Nachdem nach Abschluss der Bürgerbeteiligung die Umsetzung der Ergebnisse noch völlig offen ist, haben wir uns entschlossen, unsere Vortragsreihe 2017 fortzuführen.

Die Videoaufzeichnungen unserer Veranstaltungsreihe, können Sie sich direkt hier anschauen:

 

 

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