Bestandsaufnahme

Rosenstein – eine aktuelle Bestandsaufnahme 

Die Vision

Die Planungen für den Rückbau der bisherigen Gleiswüste direkt hinter dem Hauptbahnhof werden bereits in 2017 starten, damit gleich nach der  Fertigstellung des Bahnprojektes Stuttgart 21 mit der Räumung der Gleisanlagen begonnen werden kann. Für die Stadt Stuttgart, welche das Gelände mit Ausnahme der Fläche der Deutschen Post AG (auf der noch das ehemalige Paketzentrum steht) erworben hat, bietet sich hierbei die einmalige Chance rund 85 Hektar Land in zentraler Innenstadt-Lage unter urbanen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten zu entwickeln und zu nutzen.

Stuttgart war schon vor über 100 Jahren Vorreiter für innovatives Bauen. So bewertet Oberbürgermeister Fritz Kuhn die nahe Weissenhofsiedlung als auch nach fast 100 Jahren noch vorbildhaft:

„Le Corbusiers Impuls, günstige Wohnungen mit innovativen Grundrissen und neuen Materialien zu bauen, ist noch immer wegweisend und muss daher Ansporn für unsere Architekten und Stadtplaner sein.“

Geanuso soll das neue Rosenstein-Quartier ein Vorbild für eine von Leben, Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit sowie Erholung in gut durchdachter und zukunftsgerichteter Weise werden.

Die Rolle der Bürger

Suttgart 21 wird oft als Synonym für fehlende Bürgerberteilligung genannt. Wir finden zu Unrecht! Bereits 1997 unter dem früheren Stuttgarter Oberbürgermeistern Manfred Rommel gab es eine erste Bürgerbeiteiligung: Damals wurde der sogenannte „Rahmenplan Stuttgart 21“ vom Gemeinderat verabschiedet. Er stellt die Grundzüge und den politischen Willen zur Gestaltung der städtebaulichen Planungen für die frei werdenden Flächen da. Aus einer zuvor stattgefundenen Bürgerbeteiligung sind gut 200 Vorschläge in den Rahmenplan eingegangen.

Auch in den darauf folgenden Jahren ging die Bürgerbeteilligung weiter. Zuletzt 2016 mit der informellen Bürgerbeteiligung Rosenstein. Hier war die IG Bürger,  durch ihren 1.Vorsitzenden und Architekten Dipl. Ing. (FH) Jochen Hammer im Bürgerbeteiligungsgremium vertreten. Unser Arbeitskreis Rosenstein hat sehr viel Zeit dafür investiert, um Fachleute anzuhören und zahlreiche Ideen zu entwickeln. So war es uns möglich uns kompetent und intensiv einzubringen.

Das Memorandum

Das Memorandum als Ergebnis der Bürgerbeteiligung.

Die Rathausführung unter OB Fritz Kuhn hat folgende Ergebnisse der Bürgerbeteiligung 2016/2017 in einem Memorandum wie folgt zusammengefasst:

Von besonderer Relevanz wird die Ermöglichung von Begegnungsorten für ein soziales Miteinander in überschaubaren Nachbarschaften sein. Ein wesentliches Augenmerk wird auf der Schaffung von bezahlbarem und qualitativ hochwertigem Wohnungsbau liegen, unterstützt durch eine ausgewogene Boden- und Programmpolitik.Auch der Erhalt von inspirierenden und identitätsstiftenden Bauten und Orten, unter Beachtung der Rentabilität, wird eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der ehemaligen Gleisflächen spielen. Weitere identifizierte Handlungsfelder sind die Bereitstellung eines vielfältigen Kulturangebotes, eingebettet in einen abwechslungsreichen und kleinteiligen Städtebau. Dieser soll durch eine differenzierte Qualitätssicherung (Wettbewerbe, Baugruppen, Belebung der Erdgeschosszonen, Bauen auf der Parzelle, Nutzungsmischung) gewährleistet werden. Die Gestaltung der Erholungsräume wird besondere Beachtung finden. So wurden von Seiten der Bürger/innen vielfach natürliche und naturnahe Wassererlebnisse, attraktive Rad- und Fußwegeverbindungen sowie eine Erlebbarkeit von Grünzonen gewünscht.

Es wird auch darum gehen Programme und Verfahren zu entwickeln, die es ermöglichen, die Planung offen zu gestalten, d.h. Lerneffekte zu berücksichtigen, eine abschnittsweise Bebauung zu ermöglichen mit Erhalt von temporär oder dauerhaft nutzungsoffenen Flächen und einer Flexibilität gegenüber sich verändernden Bedürfnissen (generationenübergreifende Planung). Prozesse müssen neu gedacht werden auch im Hinblick auf eine enge Verzahnung von Planung und Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Nicht zuletzt wird man sich damit beschäftigen, wie es gelingt, ein modellhaftes Quartier zu bauen, dass nicht als Verfügungsfläche für Fehlendes in Stuttgart fungiert, sondern einen vorbildlichen Baustein im Kontext der Gesamtstadt bildet.

Nachfolgend zentrale Botschaften aus den Leitplanken im Entwurf für das Memorandum:

Soziales Miteinander: Das zentrale Ergebnis der Bürgerbeteiligung ist der Wunsch nach einem sozialen Miteinander im neuen Quartier. Die Verbundenheit der Bewohner untereinander soll das Leben im Rosenstein-Viertel prägen. Als außerordentlich wichtig wird die Schaffung von Wohnraum erachtet. Darüber hinaus soll es allen sozialen Schichten möglich sein, dort zu leben.

Vielfalt und Lebendigkeit: Das neue Quartier soll abwechslungsreich und lebendig gestaltet sein, mit einem breiten Kulturangebot und Raum für Kreativität sowie unterschiedlichen Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten. Gewünscht werden ferner natürliche oder naturnahe Wasserflächen.

Kleinteiligkeit und Überschaubarkeit. Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich ein kleinteilig gestaltetes grünes Viertel, das ein intensives Miteinander ermöglicht und gleichzeitig Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten bietet. Zudem soll ein harmonisches Nebeneinander aus Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung möglich sein. Großen Wert legen die Stuttgarter und Stuttgarter auf eine gute Verkehrsanbindung.

Flexibilität. Die Bürger wünschen sich Begegnungsräume, auf denen völlig unterschiedliche Aktivitäten und Veranstaltungen möglich sind. Das neue Quartier soll sich außerdem flexibel an verändernde Wohn- und Lebensformen anpassen können.

Eigene Gestaltungsformen: Den Bürgerinnen und Bürgern ist es wichtig, in die weiteren Gestaltungs- und Planungsprozesse eingebunden zu werden. Die Bewohner des neuen Quartiers sollen auch in Zukunft die Möglichkeit haben, ihr Wohnumfeld nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Modellhaftes. In der Gestaltung der Entwicklungsfläche Rosenstein sehen viele Bürger die Chance, ein Viertel so zu gestalten, wie sie in naher Zukunft leben möchten. Mit einer dauerhaft hohen Luftqualität, einer abwechslungsreichen Architektur und zukunftsweisenden Verkehrskonzepten kann das neue Quartier Vorbildcharakter für städtebauliches Handeln haben.
Die Perspektive der Kinder : Auch den Kindern ist ein soziales Miteinander wichtig. Außerdem wünschen sie sich abwechslungsreich gestaltete Spielanlagen, an denen sie ungestört spielen und laut sein können. Wichtig sind ihnen darüber hinaus Schwimmmöglichkeiten, die sie zu jeder Jahreszeit nutzen können. (Quellennachweis: https://www.stuttgart-meine-stadt.de/rosenstein )

Fazit aus IG Sicht: Die Bürgerbeteilung hat in den Jahren 2016/2017 durchaus positive Ergebnisse erbracht. Die IG Bürger konnten sich- durch zahlreiche Veranstaltungen gut vorbereitet- intensiv in die Bürgerbeteiligung einbringen. Bereits unter den früheren Oberbürgermeistern Manfred Rommel und OB Wolfgang Schuster gab es Bürgerbeteiligungen, welche wichtige Erkenntnisse lieferten, zum Beispiel wie die topographische Lage städtebaulich zu meistern ist und wie die Kante vom Rosensteinquartier zum Parkgelände Unterer Schloßgarten aussehen könnte.

Ein wesentliches Problem stellt in Stuttgart die Wohnungsnot dar. Nicht nur für Wenigverdiener, auch für Normalverdiener fehlen in Stuttgart über 20.000 bezahlbare Wohnungen. Wenn das Gelände des künftigen Rosensteinquartiers von der Deutschen Bahn freigeräumt wird, sollte wenigstens an einigen Stellen zügig mit dem Wohnungsbau begonnen werden. Die Zeit drängt. Als Folge der Wohnungsnot wird man nicht umhin kommen, dass zumindest in einigen Stellen, auch in die Höhe gebaut wird.

Weiter wird man dafür Sorge tragen müssen, dass hinreichend Stassen da sind und genügend Tiefgaragenplätze. Mit dieser Forderung tun sich die GRÜNEN schwer, aber man sollte vermeiden, dass durch zuwenig Straßen und Tiefparkplätze die Bürger im Stau stehen. Gerade im bereits bebauten Quartier A1 mit dem Einkaufszentrum Milianeo hat man gesehen, dass es an Tiefgaragen mangelt. Folge sind das Parken in angrenzenden Wohngebieten, störender Parksuchverkehr und Staus auf der überlasteten Heilbronner Stasse und der Wolframstrasse.

Eine weiter Aufgabe für die Stadtverwaltung ist, mit der Deutschen Bahn zu verhandeln, wie und in welcher Weise das künftige Rosensteinquartier an die Stadt Suttgart übergeben wird. Hierzu existieren zwar Verträge, da diese aber schon recht alt sind, ist eine Neufassung sinnvoll. Auch Steuergelder können gespart werden, wenn zum Beispiel umweltrechtliche Prüfungen nicht doppelt vom Veräußerer Bahn und dem Erwerber, der Landeshauptstadt Stuttgart gemacht werden.

Wenn man Bürgerbeteiligung jedoch ernst nimmt, darf die Bürgerbeteilligung nicht hier enden, sondern muss kontinuierlich fortgeführt werden.  Die Zeit läuft. Die Planung eines ganzen neuen Stadtviertels dauert Zeit, gerade weil auch die Bevölkerung permanent eingebunden werden muss.der 1990er und 2000er Jahre und aus den bisherigen städtebaulichen Wettbewerben. Es handelt sich beispielsweise um Erkenntnisse aus der topographische Lage und der Sichtbeziehungen, welche dauerhaft Gültigkeit haben. Diese gilt es aufzugreifen.

Eine weitere ausführliche Wertung der bisherigen Bürgerbeteiligung und sonstige Punkte, welche aus Sicht der IG Bürger noch zu erledigen sind, findet Ihr hier: http://igbuerger-rosenstein.de/rosenstein/buergerbeteiligung-rosenstein/

 

 

 

Stadtentwicklung im Rosenstein – die informelle Bürgerbeteiligung Rosenstein ist abgeschlossen – Wie geht es mit Stuttgart 21 jetzt weiter ?
Beim Projekt Stuttgart 21 sind letztes Jahr zwei große Meilensteine erfolgt:Die Grundsteinlegung für den neuen Tiefbahnhof sowie der Tunneldurchstoß des ersten Cannstatter Tunnel. Auf der Tunneldurchschlagfeier des Cannstatter Tunnel am 19.12.16 waren sich alle Beteiligten einig: Stuttgart 21 ist gut für Stuttgart, und der Bahn-Infrastrukturteil des Synergieprojektes ist auf dem besten Weg.

Deshalb gilt es jetzt um so mehr, sich auf den für Stuttgart viel wichtigeren Teil von Stuttgart 21 zu konzentrieren: Die Stadtentwicklung im Rosenstein. Dieses Thema hat uns in 2016 während der informellen Bürgerbeteiligung in Atem gehalten und wird dieses Jahr nicht nur wegen der Ende letzten Jahres gestarteten IBA 2027 eine enorme Dynamik entwickeln. Dies gilt vor allem, weil die Bahn an ihrem Zeitplan festhält und den Bahnhof in 2021 in Betrieb nimmt. Die Gleisflächen werden lt. Vertrag ab 2022 beräumt und der Stadt zur weiteren Nutzung übergeben.

Deshalb müssen in 2017 zahlreiche wichtige Weichen gestellt werden, damit die Stadtentwicklung im Rosenstein-Areal gut wird. Wenn man ein Projekt in der Größenordnung einer Mittelstadt wie es die Stadtentwicklung im Rosenstein darstellt, erfolgreich durchführen will, dann muss man das mit vollem Engagement und Herzblut tun. Leider spüre ich das noch nicht in unserer Stadt. Das Projekt Rosenstein muss jetzt endlich mit Vollgas und vollem Engagement gestartet werden, damit es gelingt !

Bisher wurde immer zur Begründung, warum man bestimmte Fragen seitens der Verwaltung zum Thema Rosenstein noch nicht bearbeiten konnte oder wollte, die informelle Bürgerbeteiligung vorgeschoben. Es sollte erst der Bürger gehört werden. Die Bürgerbeteiligung ist nun beendet und jetzt ist keine Ausrede mehr vorhanden.

Leider haben wir während der Bürgerbeteiligung schmerzlich erfahren müssen, dass Fragen nach einem Rahmenterminplan, einem Bestandsmodell, einer Organisationsstruktur, die dieses große Projekt trägt und nach umfassenden Untersuchung der Bestandsgebäude regelmäßig ignoriert wurden und auch nicht in das Memorandum eingeflossen sind, bzw. bis zur Unkennlichkeit durch Umformulierung verwässert wurden.

Die IG-Bürger werden in 2017 eine Liste mit den Dingen erstellen die jetzt mit Nachdruck und sehr zügig bearbeitet werden müssen, damit das Projekt nicht unnötig verteuert und verzögert wird und die wichtigsten Punkte doch noch rechtzeitig geklärt werden können. Da es sich um ein riesiges Projekt handelt, bedeutet diese Liste erst ein Anfang.

Sie ist nicht vollständig, wird aber von uns kontinuierlich weiterbearbeitet und ergänzt.Zum Teil sind Dinge enthalten, von denen wir meinen, dass sie bereits schon seit Jahren als Vorarbeit hätten bearbeitet bzw. in Auftrag gegeben werden können, unabhängig davon welche Ergebnisse in der Bürgerbeteiligung herausgekommen wären.Sicherlich sind die Wünsche und Bedürfnisse der Bürger, welche im Memorandum niedergeschrieben sind, wichtig und zu beachten, aber alle diese Wünsche kann man nur an einer konkreten Planung überprüfen und dann schlussendlich realisieren.Bei der Betrachtung eines dreidimensionalen digitalen Stadtmodells, welches unser AK Rosenstein m während der Bürgerbeteiligung entwickelt und gezeigt hat, haben wir festgestellt, dass an den verschiedenen Schlüsselstellen in der Entwicklung des Areals viele städtebauliche ungeklärte Fragen vorhanden sind.

Diejenigen Punkte, die im 1. Halbjahr 2017 unbedingt geklärt werden müssen, habe ich in der unten aufgeführten ersten Liste ausführlich behandelt, alle weiteren Punkte nur stichwortartig, weitere Punkte mit weiteren Details werden folgen:

1. Projektorganisation:

Die DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH strebt an, die Realisierung des gesamten Bahnprojekts Stuttgart-Ulm bis Ende 2021 abzuschließen.

Für die politisch-strategische Planung, die Projektorganisation, die Konzeption des Einbeziehens der Bürgerinnen und Bürger, das Klären der Schnittstellen, das Entwickeln einer nachhaltigen städtebaulichen und landschaftlichen Konzeption, das Schaffen von Planungsrecht, das gemeindewirtschaftliche Planen und für das operative Planen zum Realisieren der Erschließung etc. stehen also rund 5 Jahre zur Verfügung, falls ein nahtloser Übergang zwischen der Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs und des neuen Bahnknotens und dem Beginn der Realisierung des neuen Stadtteils Rosenstein angestrebt werden sollte. Unabhängig vom genauen Zeitpunkt des Freimachens der heutigen Gleisflächen ist aufzuzeigen und zu beurteilen, welche politisch-strategischen und operativen Organisationsformen für das Entwickeln des Stadtteils Rosenstein in Betracht kommen.

2. Rahmenterminplan:

Alle offensichtlich und unstrittig notwendigen Inhalte, Prozesse und Zusammenhänge sind ab jetzt rechtzeitig in einen Rahmenterminplan zu integrieren und somit auf die Reihe zu bringen. Der Rahmenterminplan enthält alle unabdingbaren Meilensteine vor und nach dem Zeitpunkt des Freimachens der Bahnflächen. Hierbei werden alle durch das Bahnprojekt und durch andere Projekte in Stadt und Region bedingten Anhängigkeiten und notwendige Vorlaufzeiten berücksichtigt. Um einen Überblick in die Zeitstruktur und die Komplexität der Zusammenhänge zu erhalten, ist ein Termingutachten in Auftrag zu geben.

3. Topografisches Bestandsmodell im Maßstab 1 zu 500

Um auf dem ehemaligen Areal der Bahn einen neuen Stadtteil entwickeln und den Schlossgarten erweitern zu können, ist vorher zu klären, wie die Bahntopographie in eine für die Stadt Stuttgart vernünftige Topographie transformiert werden muss.Diese Klärung ist die Voraussetzung für eine gelingende weitere Entwicklung des Projektes Rosenstein.Die früheren Städtebaulichen Wettbewerbe haben dazu bereits einige Ergebnisse gebracht, aber auch Fragen offen gelassen, die dringend zu klären sind.

Deshalb brauchen wir ein aussagekräftiges dreidimensionales analoges Modell vom Bestand im M 1:500, welches das gesamte zu beplanende Gebiet im Zusammenhang darstellt und den Gemeinderat in die Lage versetzt, zu entscheiden, wie der zukünftige Stadtboden aussehen soll, noch bevor über die konkrete Bebauung/Freiflächen/Straßen usw. diskutiert wird. Dieses Modell hätte längst erstellt werden können, unabhängig von einer Bürgerbeteiligung. Es hätte sogar in der Bürgerbeteiligung einige Fragen der Bürger vorab klären können.

Als Ausgangspunkt für dieses Modell sollte dabei das natürliche Gelände vor der Bahn, das heutige Gelände der Bahn und das von der Bahn laut Kaufvertrag freizumachende Gelände gegenübergestellt werden. Daraus muss ein finales Modell entwickelt werden, welches als Basis für den künftigen Stadtboden des neuen Stadtteil Rosenstein (inklusive A2 Areal) und für die Erweiterung des Schlossgarten wünschenswert und geeignet ist.Der bisher vertraglich vereinbarte Rückbau der Bahnbauwerke soll ebenfalls in diesem Modell dargestellt werden.Ziel ist, bis Ende Oktober 2017 mit dem Gemeinderat abgestimmte Ergebnisse zu erarbeiten, um den Gleisrückbau und die Neugestaltung der Topographie zeit- und kostensparend mit der Bahn abstimmen zu können.Bis dahin ist im Grundsatz zu klären, wie mit den Kulturdenkmalen und sonstigen Bauwerken der Bahn, die von dieser topographischen Umgestaltung betroffen sind, umgegangen werden soll.Dies bedeutet insbesondere, ob und wie der Kaufvertrag mit der Bahn vertraglich geändert werden muss, um die Wünsche der Bürger aus dem Memorandum Rosenstein zu berücksichtigen.

4. A3-Areal (Nördliches Bahnhofsgebäude):

Planung der öffentlichen Nutzung für das Baufeld A3 unter Berücksichtigung aller relevanten Schnittstellen zur planfestgestellten neuen Tiefgarage des neuen Hauptbahnhofs. Zudem ist mit Ingenhofen abzuklären, wie man zu einem konkreten Entwurf kommt. Ingehoven beharrte bislang darauf, dass er das Recht besitze, das Gebäude zu bauen.Das Nördliche Bahnhofsgebäude auf dem A3 Gelände ist ein Überregional/International bedeutendes Grundstück gegenüber dem Hauptbahnhof, im Eigentum der Stadt Stuttgart. Vertraglich festgelegt ist, dass die Bahn darunter eine Tiefgarage bauen darf.

Baubeginn der Tiefgarage ist 2022, nach Fertigstellung des Tiefbahnhofes. Bis dahin sollte ebenfalls der Werkplan für das darüberliegende Gebäude ausführungsreif vorliegen und mit der Bahn abgestimmt sein.

-Das Gebäude sollte zusammen mit den Bürgern entwickelt werden.Das A3 Gelände gehört der Stadt, die Besonderheit ist jedoch, dass hier die Bahn eine Tiefgarage für den Hauptbahnhof bauen darf.Diese Tiefgarage wird sofort gebaut, wenn der neue Durchgangsbahnhof fertig ist, nämlich in 6 Jahren. Ich finde, dass das sehr wenig Zeit ist, um ein solch wichtiges, stadtbildprägendes Gebäude an einer überregional und international bedeutsamen Stelle zu entwickeln. Deshalb muss man jetzt beginnen, damit hier ein besonders qualitätvolles Gebäude entstehen kann. Es gibt bereits Entwürfe von Büro Sobek und Büro Ingenhoven für Gebäude auf dem A3-Gelände.Und es gibt verschiedene Ideen, wie dieses Grundstück bebaut werden soll. Mal wird ein Kongresszentrum vorgeschlagen, mal eine Schlossgarten-Philharmonie.

Auf jeden Fall ist hier dringender Handlungsbedarf, weil die Bahn ihre Tiefgarage baut und wenn die Stadt nicht genau weiß, was sie darauf bauen will und zwar als fertigen mit der Bahn abgestimmten Werkplan bis 2022, dann hat das Auswirkungen bis in die Planung der Fundamente, die dann geändert werden muss. Das erzeugt hohe Folgekosten und Bauzeitverzögerungen, für welche die Steuerzahler nicht aufkommen werden wollen.

5. Bestandsbauwerke allgemein:

Brücken / Hallen / Bürogebäude / Bahnbetriebsbauwerke / Gleisbette usw. jetzt rechtzeitig auf Tragfähigkeit, Brandschutz, Schadstoffe und Sanierungsbedarf untersuchen.

Kosten bei Erhalt und Umnutzung ermitteln als Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat Bedarf für Umnutzung jetzt klären, um uns Bürger wie bei den Wagenhallen vor unvorhergesehenen Kosten durch ad-hoc Aktionen zu bewahren.

6. Bahnhofsumfeld:

Das unmittelbare Umfeld um die Bahnhofsausgänge ist jetzt im Zusammenhang mit dem neuen Bahnhof zu planen.

7. Athener Straße/Budapester Platz:

Die Athener Straße ist die größte und deshalb bedeutendste Straße des A2-Geländes und verläuft von ihrem Anfangspunkt dem Hauptbahnhof bis zu Ihrem Endpunkt, dem Budapester Platz und den Conradi-Hochhäusern längs durch das gesamte A2-Gelände. Hier sollte zügig mit einer Planung begonnen werden.

8. Haltestelle Mittnachtstraße und planfestgestellte Trasse der S-Bahn:

Die Haltestelle Mittnachtstraße kommt als zentrale Infrastrukturbau der öffentlichen Verkehrsmittel besondere Bedeutung zu. Die Ausgestaltung dieser Haltestelle sollte deshalb in einem Wettbewerb entschieden werden.

9. Paketpostamt

Das ehemalige Paktepostamt muss erworben werden, bevor das Teilgebiet B sinnvoll entwickelt werden kann.

10. Topographie – Stadtgrundriss – Typologie

Von grundlegender Bedeutung ist die Gestaltung des Randbereichs zum Rosensteinpark und Schlossgarten. Studien zu den Möglichkeiten der Neugestaltung von Topographie und Stadtgrundriss müssen städtebaulichen und Architekturwettbewerben vorausgehen.

11. Lebendige Urbanität

die Möglichkeiten und Chancen des Planens lebendiger Stadtteile, die über die Stereotype von Mischung und Architekturqualität hinausgehen

12. Forschungen für die Zukunftsstadt Rosenstein, evtl. ein Thema für die IBA

Nachhaltige Projekte beruhen auf Einsichten, die eine breite und dauerhafte Übereinstimmung einer Gesellschaft erwarten lassen und deren Inhalte und Folgen über Generationen hinweg wirken. Mit anderen Worten, nachhaltige Projekte sind wissensbasiert. Bei dem weiteren Planen ist sicher zu überlegen, was das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung für den Stadtteil Rosenstein bedeuten würde. Als erster Schritt erscheint es geboten, zeitnah die öffentliche Debatte strukturiert fortzusetzen. Insbesondere sollte ein Austausch über langfristige Zielsetzungen sowie über notwendige organisatorische und finanzielle Voraussetzungen erfolgen.

Oberbürgermeister und Gemeinderat, Parteien und Bürger müssen den erreichten Verfahrensstand zum Anlass nehmen, jetzt, ohne Nachteile für die Umsetzung des geplanten Städtebauvorhabens, unter Minimierung spekulativer Interessen, die Öffentlichkeit zu informieren und zukunftsweisende politische sowie parlamentarische Entscheidungen herbeiführen.

Diese bevorstehenden Entscheidungen sind durch die bisherigen Planungen und Beschlüsse nur für Teilbereiche des Europa- und Rosensteinviertels vorweggenommen worden. Das Umwandeln der heutigen Bahnflächen in innerstädtisches Gelände setzt einen offenen und intensiven Planungs- und Diskussionsprozess voraus. der bestimmt kontrovers geführt werden wird und benötigt deshalb ausreichende und längere Vorlaufzeiten. Entscheidungen des Gemeinderates und zügiges Umsetzen dieser Entscheidungen durch die Verwaltung sind jetzt erforderlich, um diese Entwicklungen noch rechtzeitig einzuleiten und damit Stuttgarts Zukunftschancen verlässlich und auf Dauer zu wahren. Zugleich wird damit dokumentiert, dass Stuttgart entschlossen ist, seiner Rolle und Verantwortung als Grundeigentümerin und Trägerin der Planungshoheit gerecht zu werden.

Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen, dass es bereits folgende, immer noch größtenteils unbeantwortete Gemeinderatsanträge/ Anfragen zum Thema Städtebau im Rosenstein aller Fraktionen gibt:

380/2013 – Die Zeit vergeht schneller als man denkt!   CDU-Gemeinderatsfraktion vom 13.09.2013
95/2014 – Sozialraum Rosenstein: Der richtige Zeitpunkt- SPD-Gemeinderatsfraktion vom 21.03.2014

187/2014 – Rosensteinviertel: Erst Klarheit schaffen SÖS und LINKE Fraktionsgemeinschaft vom 27.06.2014

203/2014 – Wäre eine Internationale Bauausstellung (IBA) im neuen Rosensteinquartier – eine Chance für Stuttgart? CDU-Gemeinderatsfraktion + SPD-Gemeinderatsfraktion+ Freie Wähler-Gemeinderatsfraktion+ FDP-Gemeinderatsfraktion vom 18.07.2014

38/2015 – Antrag zum Thema: „Zukunftstadt“  CDU-Fraktion Eine Vision für Stuttgart

45/2015 Antrag zum Thema: „Zukunftstadt“ Zukunftsstadt-Stadt für Alle der Fraktion SöS/Linke/Plus

Uns stellen sich angesichts der Anträge folgende Fragen:

Wann startet die Verwaltung das Städtebau-Projekt Rosenstein und zwar unabhängig von einer „informellen Bürgerbeteiligung“ ?

Wann werden die oben genannten Anträge der Gemeinderatsfraktionen von der Verwaltung umfassend bearbeitet und ordnungsgemäß beantwortet ? Diese Anträge sind umfangreich und gut und die Beantwortung dieser Anträge seitens der Verwaltung kann der (Wieder-) Einstieg in die politische Debatte und der Beginn der strategischen Planung der Stadtentwicklung im Rosenstein sein?

Verfasser: Jochen Hammer, Dipl.-Ing. (FH) Architekt. und 1.Vorsitzender IG Bürger für Baden-Württemberg e.V. im April 2017

So könnte das Rosensteinquartier in Stuttgart aussehen