Was passiert mit den Bestandsbauwerken?

Was soll mit den Bestandsbauwerken passieren? Diese Frage haben wir in einer öffentlichen Veranstaltung zusammen mit interessierten Bürgern und Städtebau-Spezialisten ausführlich diskutiert. An unserem 3D-Stadtmodell konnten wir die Bestands-Bauwerke aus den verschiedensten Perspektiven betrachten.

Worum geht es?
Als der heutige Kopfbahnhof gebaut wurde, machte die Topographie den Bau der sog. Überwerfungsbauwerke nötig: Dank dieser mehrgeschossigen Brücken konnten die aus drei verschiedenen Richtungen kommenden Gleise kreuzungsfrei in den Bahnhof geführt werden. Es entstanden aber auch „normale Brücken“, ein Lokomotivschuppen, sowie der Rosensteintunnel mit der anschließenden Neckarbrücke nach Bad Cannstatt. All diese Bauwerke werden nach der Fertigstellung des Tiefbahnhofs nicht mehr benötigt. Sie sind jedoch interessante Zeitzeugen und eventuell erhaltenswert.

Warum ist das ein Problem?
Bereits 1997 wurde in der Bürgerbeteiligung der Wunsch geäußert, zu prüfen ob man Bestands-bauwerke erhalten könnte. Allerdings hat die Stadt im Grundstückskaufvertrag mit der Bahn dem Abriss der Bahnbauwerke zugestimmt.
Auch wenn 2016 bei der Bürgerbeteiligung erneut gefordert wurde den Erhalt der Bestands-bauwerke zu prüfen, ist natürlich deren baulicher Zustand entscheidend für alle weiteren Planungen: Bereits 2016 hatte die Stadt im Haushalt ein Budget für eine entsprechende Untersuchung vorgesehen. Die Ergebnisse, die bisher leider nicht publiziert wurden, bilden die Grundlage für die Erarbeitung weiterführender Nutzungs-Konzepte. Darauf aufbauend muss die Stadt dann die Verträge mit der Bahn nochmals kurzfristig nachverhandeln.

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  • die Bahn reicht 2018 ihre Pläne zum Rückbau des Gleisvorfeldes zur Genehmigung ein
  • diese beinhalten den Abriss der meisten Bestandsbauwerke
  • Wenn jedoch Bauwerke oder Teile davon erhalten werden sollen, muss die Stadt Stuttgart JETZT mit der Bahn über eine Ergänzung der Verträge reden

Die Stadt muss dringend Konzepte erarbeiten, auf deren Grundlage sie mit der Bahn neu verhandelt.

Sollte die Stadt Stuttgart nicht noch einmal Gespräche mit der Bahn aufnehmen, wird diese vertragsgemäß, einen Großteil der Bestands-bauwerke im Zuge der Räumung des Gleis-vorfeldes abbrechen.

Welche Lösungen gibt es?

✓Teilerhalt im Urgelände

Das südliche Überwerfungsbauwerk war bei seinem Bau eines der ersten Eisenbahn-bauwerke aus Stahlbeton. Dies macht es bauhistorisch wertvoll. Viele Leute sind von seinen filigranen Strukturen begeistert. Leider befinden sich diese zum Großteil unter der Erde. Sollte aber die Topographie an das so genannte „Urgelände“ neu gestaltet werden, würden diese sichtbar werden.

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Weitere Vorschläge:

Erhalt des kompletten Gleisbogen

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Bei diesem Vorschlag wird der Gleisbogen komplett erhalten und z.B. als „Panorama (Rad-) Weg“ genutzt. Jedoch bleibt die Barriere durch den 12 Meter hohen Bahndamm. Ohne Treppen oder Rampen ist der Weg, außer an seinen Start- und Endpunkten, nicht zu erklimmen.

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Im Bereich der Zufahrtsstraßen in das neue Stadtviertel müsste der Bahndamm abgetragen und durch Brücken ersetzt werden.

Erhalt des nördlichen Gleisbogens

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Hier wird der Bahndamm südlich der Haltestelle Mittnachtstraße, abgetragen. In Richtung Nordbahnhof würde er dann als eine barrierefreie, Rampe wieder sanft auf sein ursprüngliches Niveau ansteigen. .

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Im südlichen Bereich könnte man eventuell den ehemaligen Verlauf des Bahndamms durch Gleisschotterflächen nachzeichnen: die Bahn muss mehrere Hektar solcher Flächen als Ausgleichsflächen schaffen.

Was soll mit den Bestandsbauwerken passieren? Diese Frage haben wir in einer öffentlichen Veranstaltung zusammen mit interessierten Bürgern und Städtebau-Spezialisten ausführlich diskutiert. An unserem 3D-Stadtmodell konnten wir die Bestands-Bauwerke aus den verschiedensten Perspektiven betrachten.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass …

✓ ein komplett erhaltener Gleisbogen eine zu große Barriere in der Stadt darstellet

✓ man die Überwerfungsbauwerke in Teilen als Verkehrsdenkmäler erhält

✓ die Bahndämme ansonsten komplett abgetragen werden sollen

Wenn es die Stadt Stuttgart mit der Bürgerbeteiligung ernst meint, muss sie dringend in der Frage des Erhalts der Bestandsbauwerke aktiv werden!
Bleibt die Stadt weiterhin passiv ignoriert sie den ausdrücklichen Willen der Bürger, einen Dialog über Erhalt, Teilerhalt oder Abriss der Bauwerke zu führen!

Abbildungen © IGBürger/Weigel/Kartengrundlage Stadtmessungsamt der Lhst Stuttgart

 

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